Zimmerer und Zimmerinnen gehören zu den gefragtesten Holzbau-Experten im Handwerk Schleswig-Holsteins – und das aus gutem Grund: Nachhaltiges Bauen, moderner Holzrahmenbau und energetische Dachsanierungen boomen wie nie zuvor. Wer heute eine Ausbildung im Zimmererhandwerk beginnt, arbeitet mit dem ökologischen Baustoff der Zukunft und erschafft gigantische Konstruktionen mit millimetergenauer Präzision.
Die Ausbildung dauert drei Jahre und verbindet jahrhundertealte Handwerkstradition mit modernster High-Tech-Planung am Computer und vollautomatisierten Abbundanlagen. Egal ob beim Aufschlagen eines Dachstuhls auf dem Land oder bei komplexen Ingenieurholzbau-Projekten an der Küste – ein Beruf mit Weitblick, Stolz und hervorragenden Karrierechancen.

Was macht ein Zimmerer wirklich?
Das Berufsbild des Zimmerers ist weitaus vielseitiger, als nur Holzbalken zu sägen. Als Spezialist für den konstruktiven Holzbau bist du der Meister für das tragende Skelett eines Gebäudes sowie für moderne Außen- und Innenkonstruktionen:
- Dachstühle und Holzhäuser: Konstruieren, Abbinden und Aufschlagen von Dachkonstruktionen und kompletten Gebäuden im modernen Holzrahmenbau.
- Ingenieurholzbau: Errichten von weitgespannten Hallenkonstruktionen, Brücken, Aussichtstürmen oder landwirtschaftlichen Großbauten.
- Energetische Sanierung: Nachträgliches Dämmen von Dächern und Außenwänden nach aktuellen Klimaschutz- und Energiesparvorgaben.
- Fassadenbekleidung: Planen und Anbringen von witterungsbeständigen und modernen Außenwandverkleidungen aus Holz und Verbundstoffen.
- Innenausbau und Treppen: Konstruktion und Montage von passgenauen Holztreppen, Decken- und Wandverkleidungen sowie Trockenbauelementen.
- Sanierung und Denkmalpflege: Restaurieren historischer Fachwerkbauten, alter Dachstühle und traditioneller Holzkonstruktionen.
- Schalungsbau: Erstellen von hochkomplexen Holzformen (Schalungen) für anspruchsvolle Beton- und Stahlbetonbauteile.
- Arbeiten nach Plan: Lesen, Umsetzen und Erstellen von digitalen Konstruktionszeichnungen und rechnergestützten Abbundplänen.
Für die Vorbereitung nutzen moderne Zimmererbetriebe hochentwickelte CAD-Software. Die Bauteile werden häufig in der Werkstatt computergesteuert millimetergenau vorgefertigt und auf der Baustelle per Kran im Team zusammengesetzt. Traditionelle Handwerkskunst trifft hier auf digitale Industrie.
Die Ausbildung: 3 Jahre auf dem Weg zum Gesellen
Die Zimmerer-Ausbildung ist dual aufgebaut: Du erlernst die Praxis direkt im Fachbetrieb auf Baustellen und besuchst blockweise die Berufsschule sowie überbetriebliche Ausbildungszentren für die fachliche Vertiefung. So ist die Ausbildung gegliedert:
Grundlagen des Bauhandwerks
- Arbeitssicherheit, Gesundheitsschutz und Baustellensicherung
- Prüfen, Messen und Auswählen von Holz- und Hilfsstoffen
- Umgang mit Handwerkzeugen und Holzbearbeitungsmaschinen
- Herstellen einfacher Holzverbindungen (Überblattungen, Zapfen)
- Grundausbildung im Verlegen von Decken- und Wandbauteilen
- Gemeinsame bauhandwerkliche Grundstufe
Konstruktion und Verbindungstechnik
- Berechnung und Aufriss einfacher Dach- und Wandformen
- Herstellen von Holzrahmen- und Fachwerkbauweisen
- Einbau von ökologischen Dämmstoffen und Dampfbremsen
- Konstruktion von einfachen Holztreppen und Decken
- Einführung in das computergestützte Planen (CAD)
- Teamarbeit und sichere Montage auf der Baustelle
Ingenieurholzbau & Komplexe Konstruktionen
- Abbinden und Schiften von komplizierten Dachformen (Walm-, Krüppelwalmdächer)
- Berechnung von Materialbedarf, Statik und Holzverbindungen
- Instandsetzung und Restaurierung historischer Holzbauteile
- Planung und Montage von Fassadensystemen
- Qualitätskontrolle und Übergabe an den Kunden
- Intensive Vorbereitung auf die Gesellenprüfung
Unter bestimmten Voraussetzungen – beispielsweise mit Fachhochschulreife/Abitur, einer bereits abgeschlossenen Berufsausbildung oder überdurchschnittlichen Noten – kann die Ausbildungszeit in Absprache mit Betrieb und Kammer auf bis zu zwei Jahre verkürzt werden.
Vergütung: Das verdienst du während der Ausbildung
Zimmerer gehören als fester Bestandteil des Bauhauptgewerbes zu den bundesweit am besten bezahlten Ausbildungsberufen. Die tariflichen Regelungen sichern dir bereits ab dem ersten Tag auf der Baustelle eine überdurchschnittlich hohe Vergütung:
Tarifliche Richtwerte für das Ausbildungsjahr 2026 im Bauhauptgewerbe. Auszubildende im Baugewerbe profitieren zudem von 30 tariflichen Urlaubstagen und gesicherten Leistungen über die SOKA-BAU.Zusätzlich bieten viele Betriebe Sonderzahlungen wie Weihnachts- und Urlaubsgeld sowie Fahrtkostenzuschüsse. Mit wachsender Berufserfahrung, Spezialisierungen auf anspruchsvolle Holzbauweisen oder nach dem erfolgreichen Abschluss der Meisterprüfung klettert das Einkommen als gefragter Facharbeiter spürbar weiter nach oben.
Passt dieser Beruf zu dir?
✅ Du passt gut, wenn du …
- ein hervorragendes räumliches Vorstellungsvermögen hast
- mathematisches Verständnis besitzt (Winkel und Flächen berechnen)
- absolut schwindelfrei bist und keine Höhenangst hast
- gerne an der frischen Luft und im Team arbeitest
- handwerkliches Geschick und Freude am Naturbaustoff Holz mitbringst
- millimetergenau, sorgfältig und konzentriert arbeiten kannst
- körperlich fit und belastbar bist
⚠️ Eher weniger geeignet, wenn du …
- unter starker Höhenangst oder Schwindelgefühlen leidest
- eine ausgeprägte Holzstauballergie hast
- am liebsten nur drinnen im Warmen am Schreibtisch sitzen willst
- unpräzise bist und Genauigkeit für dich zweitrangig ist
Zimmerer in Schleswig-Holstein – besonders attraktiv
🌊 SH-Besonderheiten: Was hier anders ist
- Sturmfeste Konstruktionen & Windlasten: Schleswig-Holstein liegt in einer der windstärksten Zonen Deutschlands. Als Zimmerer im echten Norden lernst du speziell, Dachstühle und Holzrahmenbauten nach besonders anspruchsvollen statischen Windlastvorgaben zu planen und zu sichern.
- Maritimes Bauen & Holzschutz: Durch das feuchte Seeklima an Nord- und Ostsee sowie die salzhaltige Luft ist der konstruktive Holzschutz in Schleswig-Holstein ein absolut existenzieller Schwerpunkt der Ausbildung.
- Sanierung historischer Reetdach-Unterkonstruktionen: Ob auf den Nordseeinseln wie Sylt und Föhr oder auf dem Festland – traditionelle Reetdächer benötigen hochspezialisierte Dachstuhlkonstruktionen, die von Zimmerern im Norden fachgerecht gerichtet und saniert werden.
- Boom des ökologischen Holzhausbaus: Der Wunsch nach energieeffizientem, CO2-neutralem Wohnraum im ländlichen Raum Schleswig-Holsteins sorgt bei regionalen Holzbaubetrieben für volle Auftragsbücher über Jahre hinweg.
Wer in Schleswig-Holstein Zimmerer wird, trifft auf einen Markt mit einem anhaltend hohen Bedarf an qualifizierten Fachkräften. Da der nachhaltige Holzbau im Zuge der Klimaziele weiter an Marktanteilen gewinnt, sichern sich ausgebildete Zimmerer einen krisenfesten, hoch angesehenen Arbeitsplatz mit besten Zukunftsaussichten im Norden.
Karriere nach der Ausbildung
Gesellenbrief
Erfolgreicher Berufsabschluss. Direkter Einstieg im Fachbetrieb als Geselle im Zimmererhandwerk mit attraktivem Einstiegslohn.
Spezialisierung
Weiterbildung zum geprüften Polier, Restaurator im Zimmererhandwerk oder Gebäudeenergieberater.
Zimmerermeister
Erwerb des Meistertitels (DQR-Niveau 6). Berechtigt zum Führen eines eigenen Meisterbetriebs und zur eigenverantwortlichen Lehrlingsausbildung.
Techniker / Studium
Fortbildung zum staatlich geprüften Techniker Fachrichtung Bautechnik oder ein Bachelor-Studium im Bereich Holzingenieurwesen / Bauingenieurwesen.
- Ausbildungsdauer: 3 Jahre (Verkürzung bei Vorbildung oder herausragenden Leistungen möglich)
- Vergütung im 1. Lehrjahr: 1.122 Euro (bundesweit einheitlicher Tarifstandard im Bauhauptgewerbe)
- Wichtige Ausbildungsinhalte: Dachstühle, Holzrahmenbau, Ingenieurholzbau, Treppenbau, Dämmtechnik, CAD-Planung
- SH-Besonderheit: Hohe Windlasten, maritimer Holzschutz und traditionelle Reetdach-Unterkonstruktionen
- Jobchancen: Ausgezeichnet – Zimmererbetriebe in Schleswig-Holstein übernehmen engagierte Absolventen verlässlich
- Gesellengehalt: ab ca. 2.900 bis 3.200 Euro brutto monatlich direkt zum Einstieg
- Tradition: Möglichkeit zur traditionsreichen Wanderschaft (Walz) nach der Gesellenprüfung
- Krisensicherheit: Enorm hoch, da Holz als nachwachsender Rohstoff das zentrale Element für zukunftssicheres, klimafreundliches Bauen ist
Häufige Fragen zur Zimmerer-Ausbildung
Welchen Schulabschluss benötige ich für die Zimmerer-Ausbildung?
Rein rechtlich ist kein bestimmter Schulabschluss vorgeschrieben. Viele Betriebe in Schleswig-Holstein stellen gerne Bewerber mit einem guten Ersten Allgemeinbildenden Schulabschluss (ESA) oder Mittleren Schulabschluss (MSA) ein. Auch Abiturienten entscheiden sich zunehmend für das Handwerk. Entscheidender als Schulnoten sind jedoch räumliches Vorstellungsvermögen, Zuverlässigkeit und Motivation im Probearbeiten.
Was unterscheidet den Zimmerer vom klassischen Tischler?
Kurz gesagt: Der Zimmerer errichtet das Große und Ganze – also Rohbau, Tragwerk, Dachstühle und Fassadenkonstruktionen. Der Tischler (Schreiner) konzentriert sich primär auf den filigranen Innenausbau und Möbel (Türen, Fenster, Schränke). Während der Zimmerer vorwiegend an der frischen Luft auf Baustellen im Einsatz ist, arbeitet der Tischler überwiegend in der Werkstatt.
Muss jeder Zimmerer-Geselle nach der Ausbildung auf die „Walz“ gehen?
Nein, die traditionelle Wanderschaft (die Walz oder Tippelei) ist absolut freiwillig. Wer sich dafür entscheidet, reist für mindestens drei Jahre und einen Tag umher, um bei fremden Meistern neue Arbeitstechniken zu erlernen. Es ist eine faszinierende Tradition, aber keine Pflicht für eine erfolgreiche Karriere im regionalen Fachbetrieb.
Wie finde ich eine freie Lehrstelle als Zimmerer in Schleswig-Holstein?
Die Lehrstellenbörsen der Handwerkskammer Lübeck sowie der Handwerkskammer Flensburg bieten aktuelle Übersichten. Da viele traditionsbewusste Zimmereien ihre Ausbildungsplätze nicht primär online ausschreiben, führt ein kurzer Anruf oder das persönliche Nachfragen nach einem Schnupperpraktikum direkt vor Ort fast immer zum Ziel.
Lohnt sich die Selbstständigkeit im Zimmererhandwerk?
Ja, die wirtschaftlichen Aussichten sind exzellent. Die Nachfrage nach Holzbauweisen, Sanierungen im Bestand und Dachausbauten ist dauerhaft hoch. Zimmerermeister, die einen eigenen Betrieb gründen oder im Rahmen einer Betriebsübergabe eine etablierte Zimmerei in Schleswig-Holstein übernehmen, blicken auf eine hervorragende Auftragslage.
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