Dachdecker gehören zu den gefragtesten Handwerksberufen in Schleswig-Holstein – und das aus einem guten Grund: Die Energiewende findet auf dem Dach statt. Wer heute eine Ausbildung zum Dachdecker beginnt, baut morgen Photovoltaikanlagen, dämmt Altbauten und hält die Gebäude von Millionen Menschen wetterfest.
Die Ausbildung dauert drei Jahre und verbindet klassisches Handwerk mit moderner Solartechnik, Wärmedämmung und – in Schleswig-Holstein ganz besonders – der traditionellen Reetdachtechnik. Ein Beruf mit Tiefe, Aussicht und echten Jobaussichten.

Was macht ein Dachdecker wirklich?
Das Berufsbild des Dachdeckers ist breiter als die meisten vermuten. Ja, es geht ums Dach – aber wer das Dach kann, kann fast alles rund ums Gebäude:
- Geneigte Dächer: Dachziegel, Schiefer, Metall, Holzschindeln – je nach Material und Konstruktion komplett unterschiedliche Technik
- Flachdächer: Abdichtung mit Bitumen, Kunststoffbahnen oder Flüssigkunststoff
- Dachbegrünung: Extensive und intensive Begrünung, Substrataufbau, Drainageschichten
- Photovoltaik und Solarthermie: Montage, elektrische Vorinstallation, Integration ins Dach
- Wärmedämmung: Auf- und Zwischensparrendämmung nach aktuellen Energiestandards
- Fassadenbekleidung: Verkleidung von Außenwänden mit vorgefertigten Elementen
- Technische Einbauten: Dachrinnen, Fallrohre, Blitzschutzanlagen, Schneefangsysteme, Dachflächenfenster
- Reetdachtechnik: Traditionelle Schilfrohrdeckung – in SH ein eigenständiger Ausbildungsschwerpunkt
Zur Inspektion von Schäden nutzen moderne Dachdeckerbetriebe Kameradrohnen. Für Planung und Aufmaß kommen digitale Messtechnik und Software zum Einsatz. Der Klischee-Dachdecker mit Hammer und Nagel ist längst Geschichte.
Die Ausbildung: 3 Jahre auf dem Weg zum Gesellen
Die Dachdecker-Ausbildung ist eine duale Ausbildung – du lernst im Betrieb auf echten Baustellen und gehst parallel zur Berufsschule. So läuft die Ausbildung ab:
Grundlagen des Handwerks
- Arbeitssicherheit und Gerüstbau
- Bau- und Hilfsstoffe kennenlernen
- Erste Dachdeckungsarbeiten
- Werkzeug und Maschinen
- Grundlagen Baustelleneinrichtung
- Gemeinsame Grundstufe mit anderen Bauberufen
Vertiefung und Spezialisierung
- Abdichtungsarbeiten an Flachdächern
- Wärmedämmung und Energiestandards
- Dachbegrünung
- Montage von Solarthermieanlagen
- Fassadenbekleidungen
- Teamführung auf der Baustelle
Selbstständiges Arbeiten
- Photovoltaik-Installation
- Komplexe Sanierungsarbeiten
- Reetdachtechnik (SH-Schwerpunkt)
- Projektplanung und Kalkulation
- Vorbereitung Gesellenprüfung
Unter bestimmten Voraussetzungen – zum Beispiel mit einer abgeschlossenen Vorausbildung oder besonders guten Leistungen – kann die Ausbildung auf zwei Jahre verkürzt werden.
Vergütung: Das verdienst du während der Ausbildung
Dachdecker gehören zu den tariflich gut bezahlten Ausbildungsberufen im Dachdeckerhandwerk. Du verdienst vom ersten Tag an:
Tarifliche Werte 2026, Dachdeckerhandwerk. Abweichungen je nach Betrieb und Tarifbindung möglich.Hinzu kommen in vielen Betrieben Zulagen für Höhenarbeit und Witterungseinsatz. Mit Berufserfahrung, Spezialkenntnissen in Photovoltaik oder Reetdachtechnik und dem Meistertitel steigt das Einkommen deutlich weiter.
Passt dieser Beruf zu dir?
✅ Du passt gut, wenn du …
- gerne im Freien arbeitest
- keine Angst vor Höhen hast
- handwerklich geschickt bist
- Teamarbeit auf der Baustelle magst
- körperlich fit und belastbar bist
- Sorgfalt und Präzision mitbringst
- dich für Energie und Nachhaltigkeit interessierst
⚠️ Eher weniger geeignet, wenn du …
- Schwindel hast oder Höhenangst
- lieber drinnen am Schreibtisch sitzt
- gar kein Interesse an körperlicher Arbeit hast
- Regen und Kälte absolut nicht aushältst
Dachdecker in Schleswig-Holstein – besonders attraktiv
🌊 SH-Besonderheiten: Was hier anders ist
- Reetdachtechnik: Schilfrohrdeckung ist in Schleswig-Holstein ein lebendiges Handwerk mit langer Tradition. Nordfriesland, Dithmarschen und die Ostseeküste bieten dafür einen einzigartigen regionalen Markt.
- Windzone: SH liegt in einer der windstärksten Regionen Deutschlands. Dachdecker in SH lernen, Konstruktionen nach erhöhten Windlastanforderungen zu planen und auszuführen.
- Sanierungswelle: Viele Altbauten in SH sind noch ungedämmt. Der Bedarf an Dachsanierungen und energetischen Nachrüstungen ist regional besonders hoch.
- PV-Boom: SH ist eines der führenden Bundesländer bei Photovoltaik. Dachdeckerbetriebe, die PV installieren, sind stark ausgelastet – und suchen Nachwuchs.
Wer in Schleswig-Holstein eine Dachdecker-Ausbildung macht, arbeitet nach der Ausbildung in einem Markt mit extrem niedrigem Fachkräfteangebot und sehr hoher Nachfrage. Wartezeiten von mehreren Monaten für Dacharbeiten sind in SH keine Seltenheit – das spricht für die Stabilität des Berufs.
Karriere nach der Ausbildung
Gesellenbrief
Ausbildung abgeschlossen. Sofortige Einstellung in vielen Betrieben. Tariflohn Geselle.
Spezialisierung
PV-Fachkraft, Reetdach-Spezialist, Blitzschutz-Zertifikat – erhöht Lohn sofort.
Dachdeckermeister
Darf ausbilden, Betrieb führen. Meisterprüfung ist Voraussetzung für Selbstständigkeit.
Techniker / Studium
Staatl. geprüfter Techniker Bautechnik oder Studium Bauingenieurwesen mit Meistertitel.
- Ausbildungsdauer: 3 Jahre, Verkürzung auf 2 Jahre unter bestimmten Voraussetzungen möglich
- Vergütung im 1. Lehrjahr: 1.120 Euro (tarifgebunden, Dachdeckerhandwerk)
- Ausbildung umfasst: Steildach, Flachdach, Abdichtung, Wärmedämmung, Photovoltaik, Dachbegrünung
- SH-Besonderheit: Reetdachtechnik als offizieller Ausbildungsschwerpunkt
- Übernahmequote nach Abschluss: über 80 Prozent
- Gesellengehalt: ab ca. 3.100 Euro brutto monatlich
- Meistertitel ermöglicht Selbstständigkeit und Hochschulstudium (DQR-Niveau 6)
- Jobsicherheit in SH: sehr hoch – massiver Fachkräftemangel in allen Landkreisen
Häufige Fragen zur Dachdecker-Ausbildung
Kann ich die Ausbildung auch mit Hauptschulabschluss beginnen?
Ja. Für die Dachdecker-Ausbildung ist kein bestimmter Schulabschluss gesetzlich vorgeschrieben. Viele Betriebe in Schleswig-Holstein stellen Azubis mit Hauptschulabschluss ein. Entscheidend sind handwerkliches Interesse, körperliche Eignung und Zuverlässigkeit.
Macht mir die Arbeit auf dem Dach wirklich nichts aus?
Höhenangst ist ein echtes Ausschlusskriterium. Wenn du dir unsicher bist: Viele Betriebe bieten kurzfristige Schnupperpraktika an – ein Tag auf dem Dach zeigt dir mehr als jede Beschreibung. Schwindelfrei zu sein lässt sich bis zu einem gewissen Grad auch trainieren, echte Höhenangst jedoch nicht.
Was unterscheidet Dachdecker in SH von anderen Bundesländern?
Vor allem die Reetdachtechnik – die Deckung mit Schilfrohren ist in Schleswig-Holstein eine lebendige Handwerkstradition mit regionalen Spezialisten und einer eigenen Fachgruppe im Dachdeckerhandwerk. Außerdem gelten in SH besondere Windlastanforderungen, die im Ausbildungsalltag direkt relevant sind.
Wie finde ich einen Ausbildungsbetrieb in Schleswig-Holstein?
Über die Lehrstellenbörse der Handwerkskammer Lübeck oder der Handwerkskammer Flensburg – je nach Wohnort. Außerdem empfiehlt sich die direkte Bewerbung bei Dachdeckerbetrieben in deiner Nähe, da viele freie Stellen nicht öffentlich ausgeschrieben werden. Nutze dafür die Suche auf handwerkslotse.de.
Verdiene ich nach der Ausbildung wirklich gut?
Ja – und der Fachkräftemangel stärkt die Verhandlungsposition von Dachdecker-Gesellen erheblich. Wer sich auf Photovoltaik oder Reetdachtechnik spezialisiert, erzielt deutlich überdurchschnittliche Stundenlöhne. Mit Meistertitel und eigenem Betrieb sind die Einkommensmöglichkeiten nach oben offen.
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