Ausbildung Dachdecker : Dauer, Vergütung & Jobaussichten in SH 2026

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Dachdecker und Dachdeckerinnen gehören zu den gefragtesten Handwerkern in Schleswig-Holstein – und das aus gutem Grund: Die Energiewende findet auf dem Dach statt. Wer heute eine Ausbildung im Dachdeckerhandwerk beginnt, montiert Photovoltaikanlagen, dämmt Gebäude hocheffizient und schützt Häuser vor stürmischen Nordseewindstärken.

Die Ausbildung dauert drei Jahre und verbindet klassische Handwerkskunst mit moderner Solartechnik, Flachdachabdichtung und – in Schleswig-Holstein ganz besonders – der traditionsreichen Reetdachtechnik. Ein krisensicherer Beruf mit Weitblick und besten Übernahmechancen.

Dachdecker-Azubi auf Dach in Schleswig-Holstein

Was macht ein/e Dachdecker/in wirklich?

Das Berufsbild des Dachdeckers ist weitaus vielseitiger als das Verlegen einzelner Ziegel. Als Experte für die komplette Gebäudehülle beherrschst du anspruchsvolle Montage- und Schutztechniken:

  • Geneigte Dächer: Eindecken mit Dachziegeln, Schiefer, Metall oder Schindeln inklusive Unterkonstruktion und Lattung.
  • Flachdachabdichtung: Fachgerechte Versiegelung mit Bitumen, widerstandsfähigen Kunststoffbahnen und modernen Flüssigkunststoffen.
  • Dachbegrünung: Aufbau von extensiven und intensiven Gründächern mit Drainage- und Filterschichten zur Wasserrückhaltung.
  • Photovoltaik & Solarthermie: Fachgerechte Montage von Solarmodulen, Leitungsverlegung und Integration in die Dacheindeckung.
  • Energetische Dämmung: Aufsparren-, Zwischensparren- und Gefälledämmung nach aktuellen Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG, vormals GEG).
  • Fassadenbekleidung: Gestalten und Dämmen von Außenwänden mit modernen Faserzement-, Schiefer- oder Metallsystemen.
  • Dachentwässerung & Blitzschutz: Montage von Zink- und Kupferrinnen, Fallrohren, Dachfenstern und Blitzschutzsystemen.
  • Reetdachtechnik: Traditionelle Schilfrohrdeckung – in Schleswig-Holstein eine bundesweit geschätzte Fachrichtung.

Zur Inspektion historischer Steildächer und großer Gewerbeflächen nutzen moderne Dachdeckerbetriebe heute Kameradrohnen. Digitale Aufmaße und CAD-Skizzen gehören längst zum handwerklichen Standard.

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Die Ausbildung: 3 Jahre auf dem Weg zum Gesellen

Die Dachdecker-Ausbildung ist dual aufgebaut: Du arbeitest praxisnah im Meisterbetrieb auf der Baustelle und besuchst blockweise die Berufsschule sowie die Ausbildungszentren des Dachdeckerhandwerks für die überbetriebliche Unterweisung. So ist die Ausbildung gegliedert:

1. Lehrjahr
Grundlagen des Handwerks
  • Arbeitssicherheit, PSA gegen Absturz und Gerüstbau
  • Prüfen und Lagern von Werk- und Hilfsstoffen
  • Grundlagen der Schiefer-, Ziegel- und Plattenbearbeitung
  • Sicherer Umgang mit Handwerkzeugen und Baumaschinen
  • Baustelleneinrichtung und Vermessungsübungen
  • Gemeinsame bauhandwerkliche Grundstufe
2. Lehrjahr
Vertiefung und Bauphysik
  • Abdichtungsarbeiten an Flachdächern und Bauwerken
  • Einbau von Wärmedämmung und Dampfsperren
  • Verlegen von Dachentwässerungen und Metallprofilen
  • Aufbau von Gründächern und Nutzschichten
  • Fassadenbekleidung und Hinterlüftungssysteme
  • Zwischenprüfung vor der Handwerkskammer
3. Lehrjahr
Energietechnik & Schwerpunkt
  • Montage und Anschlussvorbereitung von Solaranlagen (PV)
  • Komplexe Detailsanierungen an Kehlen, Gauben und Kaminen
  • Vertiefung nach Schwerpunkt (z. B. Reetdach oder Abdichtung)
  • Kalkulation, Aufmaß und Kundengespräche
  • Intensive Vorbereitung auf die Gesellenprüfung

Unter bestimmten Voraussetzungen – beispielsweise mit Abitur/Fachabitur, einer bereits abgeschlossenen Berufsausbildung oder überdurchschnittlichen Noten – kann die Ausbildungszeit in Abstimmung mit Betrieb und Innung auf bis zu zwei Jahre verkürzt werden.

Vergütung: Das verdienst du während der Ausbildung

Dachdecker gehören zu den stark vergüteten Gewerken im Ausbauhandwerk. Der bundesweit verbindliche Tarifvertrag zwischen dem ZVDH und der IG BAU sichert dir feste Ausbildungsgehälter ab dem ersten Monat:

1. Lehrjahr
1.000 €
pro Monat
2. Lehrjahr
1.150 €
pro Monat
3. Lehrjahr
1.400 €
pro Monat
Als Geselle
ab 3.100 €
Einstieg brutto
Offizielle Tarifwerte Dachdeckerhandwerk für 2026 (ab Okt. 2026 Erhöhung auf 1.050 € / 1.200 € / 1.460 €). Auszubildende profitieren zudem vom tariflichen 13. Monatseinkommen (Weihnachtsgeld) und den gesicherten Leistungen der SOKA-DACH.

Hinzu kommen in vielen Fachbetrieben tarifliche Zulagen für Witterungseinsätze sowie vermögenswirksame Leistungen. Nach der Gesellenprüfung steigen die Löhne mit gesammelter Baustellenerfahrung, Spezialisierungen (z. B. auf Solarsysteme oder Reet) und der Weiterbildung zum Vorarbeiter oder Meister kontinuierlich an.

Passt dieser Beruf zu dir?

✅ Du passt gut, wenn du …
  • gerne an der frischen Luft und im Team arbeitest
  • vollkommen schwindelfrei bist und keine Höhenangst hast
  • handwerkliches Geschick und gutes Augenmaß mitbringst
  • körperlich fit, zupackend und belastbar bist
  • Sorgfalt und Präzision bei Abdichtungsarbeiten schätzt
  • dich für moderne Energietechnik (Photovoltaik) begeisterst
  • wetterfest bist und gerne mit Aussicht arbeitest
⚠️ Eher weniger geeignet, wenn du …
  • unter Höhenangst, Schwindel oder Gleichgewichtsstörungen leidest
  • am liebsten ausschließlich im Warmen am Schreibtisch sitzt
  • körperliche Anstrengung bei Wind und Wetter vermeiden willst
  • unaufmerksam bist und Sicherheitsregeln auf Gerüsten ignorierst

Dachdecker in Schleswig-Holstein – besonders attraktiv

🌊 SH-Besonderheiten: Was hier anders ist

  • Gelebte Reetdachtradition: Schilfrohrdeckung ist an Nord- und Ostsee sowie in Dithmarschen und Nordfriesland ein unverzichtbares Kulturgut. In Schleswig-Holstein kannst du dich direkt auf diese traditionsreiche und lukrative Fachrichtung spezialisieren.
  • Hohe Windlastzonen an der Küste: Schleswig-Holstein zählt zu den windreichsten Regionen Europas. Dachdecker im Norden lernen von Grund auf, wie Steildächer, Firste und Fassaden orkanfest gesichert und verklammert werden.
  • Energetische Sanierungsoffensive: Ob Klinkeraltbauten oder Siedlungshäuser der Nachkriegszeit – die Sanierung und Dämmung der Dachgeschosse ist der größte Hebel zur CO2-Einsparung im Land.
  • Photovoltaik-Boom im Norden: Als Spitzenreiter beim Ökostrom setzen Betriebe in SH massiv auf die Installation von Aufdach- und Indach-PV-Systemen.

Wer in Schleswig-Holstein Dachdecker wird, arbeitet in einer Branche mit anhaltender Vollbeschäftigung. Qualifizierte Fachkräfte und Spezialisten für Sturmschäden, Flachdächer oder Reet werden von den Innungsbetrieben händeringend gesucht und nach der Ausbildung verlässlich übernommen.

Karriere nach der Ausbildung

Gesellenbrief

Erfolgreicher Berufsabschluss. Direkter Einstieg im Ausbildungsbetrieb als Geselle mit tariflichem Facharbeiterlohn.

Spezialisierung

Weiterbildung zur Fachkraft für Solar- und Photovoltaiktechnik, zum Reetdach-Experten oder Vorarbeiter.

Dachdeckermeister

Erwerb des Meistertitels (DQR-Niveau 6). Berechtigt zum Führen eines eigenen Dachdeckerbetriebs und zur Lehrlingsausbildung.

Techniker / Studium

Fortbildung zum staatlich geprüften Techniker Fachrichtung Bautechnik oder ein Studium im Bauingenieurwesen.

Auf den Punkt gebracht
  • Ausbildungsdauer: 3 Jahre (Verkürzung auf 2 bis 2,5 Jahre bei entsprechender Vorbildung möglich)
  • Vergütung im 1. Lehrjahr: 1.000 Euro (bundesweit einheitlicher Tarifvertrag im Dachdeckerhandwerk)
  • Wichtige Inhalte: Steildach, Flachdach, Abdichtung, Photovoltaik, Dämmung, Fassadentechnik
  • Schleswig-Holstein-Schwerpunkt: Reetdachtechnik als offizielle Fachrichtung und erhöhte Anforderungen an den Sturmschutz
  • Zusatzleistungen: 13. Monatseinkommen (Weihnachtsgeld) über die SOKA-DACH
  • Gesellengehalt: ab ca. 3.100 Euro brutto monatlich direkt zum Berufseinstieg
  • Zukunftssicherheit: Maximal krisenfest – Energiewende und Klimaanpassung machen das Dach zum wichtigsten Bauteil moderner Gebäude

Häufige Fragen zur Dachdecker-Ausbildung

Welcher Schulabschluss ist für die Ausbildung erforderlich?

Rechtlich ist kein bestimmter Schulabschluss vorgeschrieben. Die Betriebe in Schleswig-Holstein stellen gerne engagierte Bewerber mit dem Ersten Allgemeinbildenden Schulabschluss (ESA / Hauptschulabschluss) oder Mittleren Schulabschluss (MSA) ein. Praktische Veranlagung, Fitness und Zuverlässigkeit im Probearbeiten zählen im Handwerk deutlich mehr als Schulnoten.

Wie weiß ich, ob ich schwindelfrei genug bin?

Echte Höhenangst lässt sich schwer ablegen. Ein gesundes Respektgefühl vor der Höhe ist hingegen normal und wichtig für die Vorsicht. Am besten absolvierst du vor Ausbildungsbeginn ein zwei- bis dreitägiges Schnupperpraktikum in einem regionalen Betrieb. So merkst du auf dem Gerüst sofort, ob du dich in der Höhe wohlfühlst.

Was macht die Ausbildung in Schleswig-Holstein besonders?

Schleswig-Holstein bietet mit der Reetdachtechnik eine bundesweit einzigartige Spezialisierung mit langer Tradition. Zudem machen die exponierte Küstenlage und die hohen Windlasten die norddeutschen Dachdecker zu echten Experten für sturmsichere Befestigungen und anspruchsvolle Gebäudehüllen.

Wie finde ich einen Ausbildungsbetrieb im echten Norden?

Schau in die regionalen Lehrstellenbörsen der Handwerkskammer Lübeck oder der Handwerkskammer Flensburg. Viele alteingesessene Dachdeckereien besetzen ihre Lehrstellen zudem über den direkten Kontakt – ein Anruf oder das persönliche Vorbeigehen mit deinen Unterlagen lohnt sich fast immer.

Welche Weiterbildungschancen habe ich nach der Lehre?

Sehr vielfältige: Du kannst dich zum Vorarbeiter qualifizieren, Zertifikate für Photovoltaik und Blitzschutz erwerben oder den Dachdeckermeister anstreben. Als Meister darfst du selbstständig arbeiten, Azubis anleiten oder ohne Abitur direkt Bauingenieurwesen studieren.

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