Fassade streichen lassen: Silikat & Siliconharz im direkten Vergleich
Die Wahl der richtigen Fassadenfarbe entscheidet darüber, ob ein Außenputz über Jahrzehnte trocken und sauber bleibt oder schon nach wenigen Wintern abblättert. Welche physikalischen Kennwerte für Schlagregenschutz und Dampfdiffusion ausschlaggebend sind und welches Farbsystem zu welchem Untergrund passt.
Siliconharzfarbe
Verkieselung
Dampfdiffusion
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Die kurze Antwort: Beim Streichen einer Hausfassade muss das Farbsystem exakt auf den vorhandenen Putz und Altanstrich abgestimmt werden. Mineralische Silikatfarben gehen durch Verkieselung eine unlösbare Verbindung mit Kalk- und Zementputzen ein und bieten die höchste Atmungsaktivität. Siliconharzfarben kombinieren eine hohe Dampfdurchlässigkeit mit einem starken wasserabweisenden Abperleffekt und gelten als vielseitigstes System für Wetterseiten und Wärmedämmverbundsysteme.
Eine Außenfassade ist rund um die Uhr intensiver UV-Strahlung, starkem Schlagregen, Frostwechseln und Luftschadstoffen ausgesetzt. Ein fachgerechter Anstrich wirkt dabei nicht als bloße Dekorationsschicht, sondern als regulierender Wetterschutzschild für das gesamte Mauerwerk.
Die weit verbreitete Annahme, eine möglichst dicke und vollkommen wasserdichte Kunstharzfarbe schütze eine Hauswand am zuverlässigsten vor Feuchtigkeit, erweist sich bauphysikalisch als folgenschwerer Irrtum. Dringt über kleinste Haarrisse, Fugen oder aus dem Gebäudeinneren Wasserdampf in die Wand ein, wirkt ein dampfdichter Farbfilm wie eine Sperrschicht: Das eingeschlossene Wasser sammelt sich hinter dem Anstrich, gefriert im Winter und sprengt Farbe samt Oberputz großflächig ab.
1. Das bauphysikalische Grundgesetz: Wasserabweisung trifft Dampfdiffusion
Um die Qualität und Eignung einer Fassadenbeschichtung objektiv zu beurteilen, zieht die Bauphysik zwei zentrale Messgrößen heran: den Wasseraufnahmekoeffizienten (w-Wert) und die wasserdampfdiffusionsäquivalente Luftschichtdicke (sd-Wert).
Der Wasseraufnahmekoeffizient beschreibt, wie viel flüssiges Regenwasser die Beschichtung bei Beregnung kapillar aufsaugt. Ein niedriger Wert steht für eine stark wasserabweisende (hydrophobe) Oberfläche, an der Regentropfen abperlen, ohne den Putz zu durchfeuchten. Der Diffusionswiderstandswert gibt hingegen an, wie leicht gasförmiger Wasserdampf aus dem Mauerwerk durch die Farbschicht nach außen entweichen kann. Ein optimaler Fassadenschutz verbindet beide Eigenschaften zu einem feuchtetechnischen Gleichgewicht, bei dem stets mehr Feuchtigkeit aus der Wand verdunsten kann, als von außen bei Schlagregen eindringt.
2. Die drei großen Farbsysteme: Silikat, Siliconharz und Dispersion
Je nach chemischem Bindemittel unterscheiden sich Fassadenfarben grundlegend darin, wie sie am Untergrund haften und wie sie mit Feuchtigkeit umgehen.
Silikatfarbe
- Bindemittel aus flüssigem Kaliwasserglas reagiert chemisch mit dem Putz
- Untrennbare Verkieselung statt oberflächlicher Filmbildung
- Höchste Diffusionsoffenheit für feuchtebelastetes Mauerwerk
- Natürlicher Schutz gegen Algen und Pilze durch hohe Alkalität
- Erfordert zwingend mineralische, ungestrichene oder silikatische Gründe
Siliconharzfarbe
- Kombiniert emulgiertes Silikonharz mit ausgewählten Polymerdispersionen
- Ausgeprägter Abperleffekt hält die Fassade bei Schlagregen trocken
- Gleichzeitig hochgradig durchlässig für ausströmenden Wasserdampf
- Trocknet spannungsarm auf und verschmutzt extrem langsam
- Haftet sowohl auf mineralischen Putzen als auch auf tragfähigen Altanstrichen
Dispersionsfarbe
- Reinacrylat- oder Kunstharz-Bindemittel bildet einen geschlossenen Film
- Gute Elastizität zur Überbrückung feinster Mikrorisse an der Oberfläche
- Ermöglicht besonders kräftige und dunkle Farbtonmischungen
- Höherer Widerstand gegen Wasserdampfdiffusion als Silikat und Siliconharz
- Auf gedämmten oder feuchten Altbauwänden nur eingeschränkt empfehlenswert
In der handwerklichen Praxis zeigt sich immer wieder, dass sogenannte Dispersionssilikatfarben auf alten Kunstharzbeschichtungen zu massiven Haftungsabrissen führen, wenn die Kompatibilität des Altuntergrunds vorab nicht geprüft wurde. Kann das Kaliwasserglas nicht in die mineralischen Poren des Putzes eindringen, bleibt der Anstrich als spröde Schicht auf der alten Farbhaut liegen und wittert binnen kürzester Zeit ab.
3. Systemtabelle: Fassadenfarben nach Untergrund und Eigenschaften
| Eigenschaft | Silikatfarbe | Siliconharzfarbe | Reinacrylat-Dispersion |
|---|---|---|---|
| Bindemittelbasis | Kaliwasserglas (mineralisch) | Silikonharz-Emulsion | Organische Kunstharz-Polymere |
| Haftungsprinzip | Chemische Verkieselung im Putz | Mikroporöse Verankerung | Physikalische Filmbildung (Adhäsion) |
| Dampfdurchlässigkeit | Extrem hoch (unbehinderte Diffusion) | Sehr hoch | Mittel bis mäßig |
| Schlagregenschutz | Gut (mit Hydrophobierung sehr gut) | Hervorragend (starker Abperleffekt) | Gut bis sehr gut |
| Idealer Untergrund | Kalkputz, Zementputz, Baudenkmäler | Wärmedämmverbundsysteme, Altputze | Beton, intakte Dispersionsaltanstriche |
4. Untergrundprüfung und Grundierung: Kreidung, Sinterhaut und Tragfähigkeit
Vor dem ersten Pinsel- oder Rollstrich entscheidet die Analyse der vorhandenen Wandfläche über die Haltbarkeit des neuen Anstrichs. Alte Fassadenfarben unterliegen durch die UV-Strahlung der Sonne einem natürlichen Bindemittelabbau, der als Kreidung bezeichnet wird: Streicht man mit der flachen Hand über den Putz, bleibt ein mehliger Belag zurück. Auf einer solchen kreidenden Schicht findet keine neue Farbe Halt.
Abhilfe schafft eine gründliche Nassreinigung in Verbindung mit einer passend abgestimmten Grundierung. Ein tief eindringender Hydrosol- oder Silikat-Tiefgrund verfestigt sandende Putzoberflächen in der Tiefe und gleicht starkes oder unregelmäßiges Saugverhalten aus. Auf Neuputzen muss hingegen vorab geprüft werden, ob sich beim Abbinden eine glänzende, wasserundurchlässige Sinterhaut gebildet hat, die mechanisch abgetragen oder angeätzt werden muss.
Baufalle Übergründieren: Eine Grundierung darf niemals so dick oder unverdünnt aufgetragen werden, dass sie einen glänzenden, lackartigen Film auf dem Putz bildet. Eine solche „Verglasung“ verschließt die Poren vollständig und verhindert, dass der nachfolgende Fassadenanstrich im Untergrund greifen kann.
5. Typische Ausführungsfehler beim Fassadenanstrich
Aus typischen Bauschadensmustern und Prüfberichten geht hervor, dass vorzeitige Fassadenschäden selten am Farbmaterial selbst liegen, sondern fast immer aus Anwendungsfehlern vor Ort resultieren:
- Zu dunkle Farbtöne auf gedämmten Fassaden: Jede Farbe besitzt einen sogenannten Hellbezugswert, der angibt, wie viel Sonnenlicht reflektiert wird (Weiß = 100, Schwarz = 0). Auf Wärmedämmverbundsystemen führt ein zu dunkler Farbton im Sommer zu Oberflächentemperaturen von über siebzig Grad Celsius, wodurch sich Dämmplatten verformen und Putzrisse aufbrechen.
- Verzicht auf den Voranstrich (Zwischenbeschichtung): Ein professioneller Fassadenaufbau besteht nach der Grundierung immer aus einem verdünnten Grund- oder Zwischenanstrich und einem unverdünnten Schlussanstrich. Ein einziger dicker Anstrich überdeckt die Putzspitzen nur unzureichend und führt zu ungleichmäßiger Schichtdicke.
- Streichen bei direkter Sonneneinstrahlung: Auf aufgeheizten Fassadenflächen verdunstet das Wasser in der Farbe schlagartig, bevor das Bindemittel sauber verfilmen oder verkieseln kann. Die Folge sind sichtbare Rollansätze, Fleckenbildung und mangelnde Abriebfestigkeit.
- Überstreichen ungeklärter Putzrisse: Normale Fassadenfarben überbrücken keine arbeitenden Risse im Putzgrund. Wo Haarrisse oder Setzungsrisse vorliegen, muss vor dem Anstrich zwingend eine geeignete Rissarmierung erfolgen.
6. Checkliste: Schritt für Schritt zum langlebigen Fassadenanstrich
- Art des Bestandsuntergrunds bestimmen (mineralischer Putz, Wärmedämmung oder alter Kunstharzanstrich)
- Wischprobe auf Kreidung, Benetzungsprobe auf Saugfähigkeit und Klopfprobe auf hohlliegende Putzstellen durchführen
- Schmutz, Staub, Kreidung und eventuellen Grünbelag schonend abreinigen und die Wand vollständig durchtrocknen lassen
- Offene Fugen an Fensterbänken, Dachanschlüssen und Putzrissen vorab fachgerecht schließen bzw. armieren
- Systemkonforme Grundierung (Silikat-Fixativ oder Tiefgrund) zur Verfestigung und Saugfähigkeitsregulierung auftragen
- Zweischichtigen Anstrichaufbau (Zwischen- und Schlussbeschichtung) nass-in-nass im Schatten der Sonne ausführen lassen
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Umweltbundesamt (UBA)Fachinformationen zu langlebigen, umweltschonenden Fassadenfarben und Beschichtungssystemen
VerbraucherzentraleRatgeber zur Instandhaltung der Gebäudehülle und zum baulichen Feuchteschutz
Häufige Fragen zum Fassadenanstrich
Woran erkenne ich, ob meine Fassade bereits mit Dispersionsfarbe oder Silikatfarbe gestrichen wurde?
Ein zuverlässiger Praxistest ist die Flamm- oder Lösemittelprobe durch den Fachbetrieb: Ein kleiner Farbsplitter, der bei Erwärmung mit dem Feuerzeug schmilzt und nach verbranntem Kunststoff riecht, weist eindeutig auf eine organische Dispersionsfarbe hin. Eine rein mineralische Silikatfarbe ist nicht brennbar, erweicht nicht bei Lösemittelkontakt und kreidet bei starker Bewitterung rein mineralisch ab.
Was ist der Unterschied zwischen Reinsilikatfarbe und Dispersionssilikatfarbe?
Reinsilikatfarbe besteht aus zwei Komponenten (Farbpulver und flüssigem Wasserglas), die erst auf der Baustelle angemischt werden, und enthält keinerlei organische Zusätze. Dispersionssilikatfarbe ist verarbeitungsfertig im Eimer angemischt und enthält einen geringen, streng begrenzten Anteil organischer Dispersion zur leichteren Verarbeitung, bewahrt aber dennoch die Verkieselungsfähigkeit und hohe Dampfdiffusion.
Warum blättert frische Fassadenfarbe manchmal schon nach dem ersten Winter ab?
Frühes Abblättern hat meist drei Ursachen: Entweder wurde auf einen kreidenden oder verschmutzten Altuntergrund ohne verfestigende Grundierung gestrichen, eine Silikatfarbe wurde fälschlicherweise auf einen alten Kunstharzanstrich aufgetragen, oder durch offene Fensterbank- und Putzanschlüsse dringt hinter dem Anstrich Regenwasser in das Mauerwerk ein.
Welche Farbe eignet sich für dunkel gewünschte Fassadenakzente auf gedämmten Wänden?
Für dunkle Farbtöne auf Wärmedämmverbundsystemen existieren spezielle Fassadenfarben mit infrarot-reflektierenden Pigmenten (IR-Pigmenten). Diese reflektieren den unsichtbaren Wärmestrahlungsanteil des Sonnenlichts, sodass sich die Putzoberfläche im Sommer deutlich weniger stark aufheizt und thermische Spannungsrisse vermieden werden.
Fazit: Das Farbsystem muss dem Untergrund folgen
Ein hochwertiger Fassadenanstrich schützt das Mauerwerk über viele Jahre hinweg vor Schlagregen, Frost und Verschmutzung – vorausgesetzt, die chemisch-physikalischen Eigenschaften von Altputz, Grundierung und Farbe passen lückenlos zusammen. Während Silikatfarben auf mineralischen Altbauten unübertroffen diffusionsoffen verkieseln, bieten Siliconharzfarben den verlässlichsten Schutz für moderne Putz- und Dämmsysteme.
Für eine sichere Untergrundbestimmung und die koordinierte Abstimmung mit Putz- und Innenarbeiten beachten Sie auch den übergeordneten Hauptleitfaden zum Thema Fassadensanierung und Malerarbeiten planen und ziehen Sie vor der Ausführung einen qualifizierten Maler- und Lackiererfachbetrieb vor Ort hinzu.
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