Kosten, Förderung, Genehmigung und regionale Besonderheiten: Alles, was Hausbesitzer in SH über Geothermie wissen müssen.

Schleswig-Holstein will bis 2040 klimaneutral werden – und Erdwärme spielt dabei eine wachsende Rolle. Ob als Flächenkollektor im Garten oder als Tiefensonde: Geothermie bietet Hausbesitzern im Norden eine wetterunabhängige, nahezu geräuschlose Alternative zur klassischen Wärmepumpe. Doch eignet sich jeder Boden, und wie sieht es mit Genehmigungen und Kosten aus?
Dieser Artikel zeigt, welche geologischen Voraussetzungen Schleswig-Holstein bietet, welche Systeme für Privathaushalte geeignet sind, welche Förderungen 2025 beantragt werden können und worauf Hausbesitzer bei Planung und Genehmigung achten müssen.
Was ist Erdwärme – und wie wird sie genutzt?
Erdwärme, auch Geothermie genannt, bezeichnet die im Erdinneren gespeicherte Wärmeenergie. Sie entsteht durch den radioaktiven Zerfall von Elementen im Erdkern und ist nach menschlichem Ermessen eine nahezu unerschöpfliche Energiequelle. Anders als Wind oder Sonne liefert Erdwärme unabhängig von Tageszeit und Wetter konstant Energie.
Für Privathaushalte in Schleswig-Holstein sind vor allem zwei Nutzungsformen relevant: die oberflächennahe Geothermie bis 400 Meter Tiefe, die über Erdwärmesonden oder Flächenkollektoren erschlossen wird, sowie die Tiefengeothermie, die in der kommunalen Wärmeversorgung zunehmend an Bedeutung gewinnt.
Erdwärmesonde
Vertikale Bohrung bis 400 m Tiefe. Platzsparend, ganzjährig konstante Temperatur, aber genehmigungspflichtig und aufwendiger in der Installation.
Für kleine GrundstückeErdwärmekollektor
Horizontale Rohre in 1–2 m Bodentiefe. Günstiger als Sonden, braucht aber ausreichend Gartenfläche – üblicherweise das 1,5- bis 2-fache der Heizfläche.
Für größere GärtenTiefengeothermie
Ab 400 m Tiefe für kommunale Fernwärmenetze. In SH gewinnt dieses Segment stark an Dynamik – mit derzeit über 6 aktiven Erlaubnisfeldern im Land.
Für KommunenGeologische Eignung in Schleswig-Holstein
Schleswig-Holstein bietet laut dem Geologischen Dienst des Landesamts für Umwelt (LfU) vielfältige, aber regional sehr unterschiedliche Voraussetzungen für Erdwärme. Der Untergrund wurde auf Basis von über 28.000 Bohrungen kartiert – daraus entstanden Potenzialanalysen, die Wärmeleitfähigkeiten bis 100 Meter Tiefe und die Eignung für Erdwärmekollektoren beschreiben.
Für die Tiefengeothermie sind besonders Sandsteinhorizonte der Formationen Rhät, Dogger und Buntsandstein von Interesse. Diese porösen Schichten können heißes Thermalwasser führen und sind in Teilen Schleswig-Holsteins in ausreichender Mächtigkeit vorhanden.

Östliches Hügelland & Geest
Gut geeignet für Erdwärmekollektoren. Lehmige und sandige Böden mit guter Wärmeleitfähigkeit. Erdsonden oft ohne besondere Auflagen genehmigbar.
Schleswiger Geest & Mittelholstein
Überwiegend geeignet. Tiefengeothermie-Projekte aktiv (Erlaubnisfeld „Schleswig” vergeben). Bodenkarte teilweise unvollständig.
Marsch (Nordfriesland, Dithmarschen)
Hoher Grundwasserspiegel und Marschboden erschweren Kollektoren. Erdsonden können sinnvoller sein – individuelle Beratung empfohlen.
Norderstedt & Umland Kiel
Tiefengeothermie-Pionierregion: Stadtwerke Norderstedt ersten SH-Genehmigungsinhaber 2023. Erlaubnisfeld „Schwansen” an Eckernförder Bucht ab Jan. 2026 aktiv.
„Erdwärme ist eine ressourcenschonende und regenerative Energie, die ein wichtiger Baustein bei der Wärmewende ist – die geologischen Voraussetzungen dafür sind in Schleswig-Holstein gut.”
LBEG-Präsident Carsten Mühlenmeier, Landesamt für Bergbau, Energie und GeologieGenehmigung: Was brauche ich in SH?
Die Genehmigungsanforderungen für Erdwärme in Schleswig-Holstein variieren je nach System. Grundsätzlich gilt: Wer in den Untergrund bohrt oder Grundwasser berührt, braucht behördliche Erlaubnis.
| System | Genehmigung erforderlich? | Zuständige Behörde |
|---|---|---|
| Erdwärmekollektor (bis 2 m) | In der Regel nein, aber Anzeigepflicht möglich | Untere Wasserbehörde (Kreis) |
| Erdwärmesonde (bis 400 m) | Ja – wasserrechtliche Erlaubnis | Untere Wasserbehörde, mind. 1 Monat vorher anzeigen |
| Tiefengeothermie (über 400 m) | Ja – Bergrecht, Aufsuchungserlaubnis | LBEG Hannover (für SH zuständig) |
| Trinkwasserschutzzone | Eingeschränkt oder unzulässig | Vorab mit Behörde klären |
Wichtige Hinweise zur Genehmigung
- Erdwärmesonden müssen spätestens einen Monat vor Baubeginn bei der unteren Wasserbehörde angezeigt werden
- In Trinkwasserschutzzonen können Bohrungen genehmigungsbeschränkt oder unzulässig sein
- In Gebieten mit lösungsfähigen Gesteinen empfehlen Behörden Erdwärmekollektoren statt Sonden
- Tiefengeothermie unterliegt dem Bergrecht – zuständig ist das LBEG in Hannover
- Regionale Auflagen der Kreise (z. B. Schleswig-Flensburg, Plön) können zusätzliche Anforderungen stellen
🔗 Offizielle Behörden & staatliche Informationsquellen
- Landesamt für Umwelt SHGeologischer Dienst SH – Geothermie: Potenzialanalyse, Karten, Eignungsgebiete
- Umweltportal Schleswig-HolsteinInteraktive Karte: Standorteignung für Erdwärmekollektoren in SH
- IB.SH – Investitionsbank Schleswig-HolsteinLandesprogramm Wirtschaft: Förderung nachhaltiger Wärmeversorgungssysteme (bis 50%)
- KfW – BundesförderungKfW 458: Heizungsförderung – bis zu 70% Zuschuss für Erdwärmepumpen
- EKI Schleswig-HolsteinEnergie- und Klimaschutzinitiative SH: Geothermie-Beratung für Kommunen und Private
Kosten einer Erdwärmeanlage in Schleswig-Holstein
Die Investitionskosten für Erdwärme sind höher als bei Luft-Wasser-Wärmepumpen, da Tiefbauarbeiten hinzukommen. In Schleswig-Holstein können aufgrund der günstigen geologischen Bedingungen Erdwärmepumpen in vielen Regionen kostengünstiger installiert werden als in anderen Bundesländern. Dennoch bleibt der Aufwand erheblich.
| Kostenposten | Erdwärmekollektor | Erdwärmesonde |
|---|---|---|
| Wärmepumpe (Gerät) | 10.000 – 20.000 € | 10.000 – 25.000 € |
| Tiefbau / Bohrung | 5.000 – 15.000 € | 10.000 – 30.000 € |
| Installation & Inbetriebnahme | 3.000 – 6.000 € | 3.000 – 6.000 € |
| Gesamtkosten (ca.) | 18.000 – 41.000 € | 23.000 – 61.000 € |

Förderung für Erdwärme in SH – Stand 2025
Hausbesitzer in Schleswig-Holstein profitieren von der bundesweiten KfW-Förderung 458, die Erdwärmepumpen besonders attraktiv macht. Hinzu kommt ein zusätzlicher Effizienzbonus von 5% speziell für Erdwärme- und Wasser-Wasser-Wärmepumpen. Das Land selbst bietet über die IB.SH zinsgünstige Darlehen, aber seit Ende 2023 keine direkten Zuschüsse für Privathaushalte mehr.
KfW 458 · Einkommensbonus +30% bei zu versteuerndem Einkommen unter 40.000 €/Jahr · IB.SH Darlehen kombinierbar
Für Kommunen und Unternehmen bietet das Landesprogramm Wirtschaft 2021–2027 der IB.SH Zuschüsse von bis zu 50% für den Aufbau nachhaltiger Wärmeversorgungssysteme auf Basis von Geothermie, bei Mindestinvestitionskosten von 50.000 €.
Weiterführende Ratgeber
Tiefengeothermie: SH auf Wachstumskurs
Schleswig-Holstein entwickelt sich zur aufstrebenden Region für kommunale Tiefengeothermie. Noch Anfang 2023 gab es keine einzige Aufsuchungserlaubnis im Land – heute sind es ein halbes Dutzend und die Zahl wächst weiter.
Die Stadtwerke Norderstedt erhielten als erste in SH 2023 eine Genehmigung und investieren bis zu 40 Millionen Euro in ein eigenes Tiefengeothermie-Projekt. Im Juni 2025 vergab das LBEG das Erlaubnisfeld „Schleswig” (157 km²) an die Schleswiger Stadtwerke GmbH. Zum 1. Januar 2026 folgte das Erlaubnisfeld „Schwansen” an der Eckernförder Bucht. Auch HanseWerk Natur erhielt Erlaubnisfelder im Raum Hamburg-Schleswig-Holstein.
Das Fraunhofer-Institut geht davon aus, dass künftig über 300 Terawattstunden – ein Viertel des deutschen Gesamtwärmebedarfs – über Geothermie gedeckt werden könnten.
„Erdwärme ab 50 Metern Tiefe liefert das ganze Jahr über bei jedem Wetter eine konstante Temperatur – die ideale und unverzichtbare Ergänzung zu Wind und Sonne.”
Stadtwerke Norderstedt, Klimaschutzstrategie 2024Häufig gestellte Fragen zu Erdwärme in SH
Fazit: Erdwärme in SH – lohnenswert mit der richtigen Planung
Schleswig-Holstein bietet gute geologische Voraussetzungen für Erdwärme – vor allem im östlichen Hügelland und auf der Geest. Mit bis zu 70% KfW-Förderung und IB.SH-Darlehen sind die hohen Investitionskosten deutlich abzufedern.
Wer ein ausreichend großes Grundstück oder die Bereitschaft zur Bohrung mitbringt, profitiert von einem der effizientesten Heizsysteme am Markt: wetterunabhängig, nahezu geräuschlos und langfristig kostengünstig im Betrieb.
Vor der Entscheidung empfiehlt sich eine individuelle Beratung durch die IB.SH Energieagentur oder die EKI – und ein Blick auf die offizielle Eignungskarte des Umweltportals Schleswig-Holstein.
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